Wenn die Scheiße den Ventilator Trifft

To The Heavens © Stefanie Neumann - All Rights Reserved; #Herzensreise #KBFPhotography

This post is also available in English language.

Wenn die Scheiße den Ventilator trifft („When the shit is hitting the fan“)… dies ist ein Ausspruch, den ich Story Waters einige Male habe sagen hören. Ich glaube, dieses Mal muss es ein ziemlich großer Haufen gewesen sein…

Ich weiß, dies ist ein recht starkes Bild. Doch fühle ich mich gerade genau so. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass das, worüber ich in diesem Artikel schreiben werde, nur einen Teil der Umstände ausmacht.

In meinem Artikel im September schrieb ich über Eine Unbequeme Wahrheit.

Ich führte folgendes aus:

Ich habe viele Talente und bringe diese liebevoll in die Gesellschaft ein. Doch beim Arbeitsamt weiß das keiner, weil es für diese Talente weder eine Berufsausbildung gibt, noch ein passendes Formular, wo man ein Kreuzchen machen kann.”

-Stefanie Neumann

Und:

Ich bin eine starke Persönlichkeit. Ich bin gesund. Ich bin nur anders. Wenn ich versuche, mich in das mir nun vorgegebene System einzufügen, werde ich jedoch krank. Das habe ich zuvor erlebt und auch jetzt bemerke ich die ersten Symptome. Ich werde depressiv. Ich fühle mich verwirrt und wertlos. Ich verliere meinen Mut. Ich vergesse, wer ich wahrhaftig bin. Ich werde genau so, wie es für Leute wie mich vorgesehen ist, damit man ihnen schließlich doch noch einen Platz zuweisen kann – vorzugsweise wahrscheinlich in der Irrenanstalt.”

-Stefanie Neumann

Glücklicherweise versteht mein Engel bei der Arbeitsvermittlung diese Situation sehr gut. Man empfahl mir, in die Richtung zu gehen, mir mein Unvermögen im derzeitigen System zu gedeihen, attestieren zu lassen.

Über Unfähigkeit, Sham und Krankheit

Es fühlt sich merkwürdig an, sich auf den Pfad zu begeben, eine Unfähigkeit attestiert zu bekommen, wenn man sich nur Unfähig fühlt, wenn man versucht, sich in ein System zu integrieren, welches bekanntermaßen krank und morsch ist. Wir sprechen von einem System, welches auf den Stützpfeilern von Sklaverei und Unterdrückung basiert. Unser Banksystem in der Welt, ebenso wie unser Steuersystem, basiert immer noch auf derselben Grundlage wie die Leibeigenschaft und das Lehnswesen.

Vielleicht ist also die Unfähigkeit, sich mit dieser Art von Energie zu verbinden, gar nichts Schlechtes. Tatsächlich glaube ich nicht, dass irgendjemand wirklich diese Fähigkeit besitzt. Einige merken dies lediglich früher als andere.

Wie ich schon in Eine Unbequeme Wahrheit erwähnte, hatte ich bereits zuvor Probleme, mich in so einen Rahmen zu integrieren. Ich habe damit eine Vorgeschichte. Das hat bereits im Kindergarten angefangen. Es setzte sich in der Grundschule fort, hörte in der weiterführenden Schule nicht auf, hat mich von der Universität vergrault und ich habe es auch nie lange in einem Job oder einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ausgehalten.

Für lange Zeit habe ich mich dafür geschämt, dass ich mich einfach nicht so in die Gesellschaft einfügen konnte, wie ich dachte, dass ich es sollte.

Ich wähle, mich jetzt nicht mehr zu schämen.

Wenn ich einen Grund hätte, mich zu schämen, wie kann es dann sein, dass alle meine Unterstützung und meinen Rat suchen, wenn “das System”, von dem sie sagen, das man sich einfügen muss, sie mal wieder niedergemacht hat? Wenn ich einen Grund hätte, mich zu schämen, wie kann es dann sein, dass Leute meine Gegenwart suchen, einfach, weil sie sich besser fühlen, wenn sie nur in meiner Nähe sind? Ich glaube nicht an eine Erbsünde. Ich glaube nicht an Scham.”

-Stefanie Neumann

Ich habe also eine Vorgeschichte bezüglich meiner Unfähigkeit, mich in dieses verkleidete Sklavensystem zu integrieren. Es ist in mehreren Praxen von Ärzten und Psychologen dokumentiert. Ich musste dafür kämpfen, gesund-geschrieben zu werden, als ich mich auf den Pfad der Selbstständigkeit begeben habe. Ich wurde gesund-geschrieben. Ich habe eine Maßnahme zur Selbstständigkeit durchlaufen. Ich habe hart daran gearbeitet, loszulegen. Und habe einmal mehr darin versagt, mich in das System einzufügen.

Es sollte offensichtlich sein. Jeder kann es sehen. Es ist dokumentiert. Und offen gesagt, nach vierzig Jahren bin ich der Versuche müde. Alles was ich will, ist ein Raum, um zu sein die ich bin. Momentan interessiert es mich wenig, wie andere das etikettieren. Ich würde mich nur gerne wieder fühlen, als hätte ich einen Platz in der Welt.

Ich habe mich während der letzten vier oder fünf Jahre so gefühlt, als hätte ich einen Platz in der Welt. Besonders, nachdem Kim in mein Leben getreten ist. Es war wundervoll, mich nicht mehr vor den Behörden rechtfertigen zu müssen. Ich habe angefangen, zu gedeihen. Vielleicht hätte ich sogar letztendlich einen Platz gefunden, von wo aus ich hätte operieren und etwas Geld verdienen können.

Aber ach, es hat noch nicht sein sollen.

Von Pontius…

Jetzt musste ich zum Arbeitsamt zurückgehen. Ich musste zurückgehen zu dem Gefühl, krank und fehl am Platz zu sein. Ich musste zu den Ärzten zurückgehen und ihnen sagen:

“Wissen Sie, ich brauche wirklich jemanden, der mir attestiert, dass ich für all dies nicht gemacht bin.”

Ich fing mit meinem Hausarzt an. Er kennt mich seit ich alt genug bin, nicht mehr zum Kinderarzt zu gehen. Er musste oft Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für mich ausstellen, wegen der psychosomatischen Probleme, die mich schließlich niederzwangen.

Ich möchte an dieser Stelle eine falsche Vorstellung aufklären, an die viele Leute zu glauben scheinen:

Psychosomatische Probleme sind keine an den Haaren herbeigezogenen, imaginären oder fiktiven Schwierigkeiten, welche der Patient benutzt, weil er in Wirklichkeit ein faules Arschloch ist. Psychosomatische Probleme sind real. Der Körper produziert sie als ein Symptom von Überforderung, wenn ernste psychische Probleme über einen längeren Zeitraum ignoriert werden.

Mein Hausarzt kennt meine Geschichte. Er hat sie dokumentiert. Er hat die Symptome, welche ich hatte, oft offiziell bestätigt. Er stellte mir auch mehrere Überweisungen zu Fachärzten aus. Also fing ich mit ihm an.

Ich ging hin und erklärte meine Situation. Er nickte heftig (um nicht zu sagen: wie verrückt) und sagte:

“Das Letzte, was ich von Dir in der Akte habe, ist ein Problem mit dem Blutdruck. Das reicht nicht für eine Erwerbsunfähigkeit.”

Dann stellte er eine Überweisung zum Psychiater aus, mit dem brillanten Tipp:

“Die machen eh alle das Gleiche. Geh einfach zu dem, der als Erstes einen Termin für Dich hat.”

Und dann schob er mich nach nicht einmal zwei Minuten seiner Zeit zur Tür hinaus. Später erfuhr ich, dass er jedem Patienten per Gesetz mindestens sieben Minuten geben muss. Somit schuldet er mir noch fünf.

Natürlich ist das Blutdruckproblem nicht genug, um eine Erwerbsunfähigkeit bestätigt zu bekommen. Doch was ist mit all den anderen Dingen, welche er über all die Jahre in meiner Akte vermerkt hat? Ich meine, ich verstehe, nachdem ich mich fünf Jahre lang von jeder ärztlichen und psychologischen Praxis ferngehalten habe, dass ich nicht gleich eine Erwerbsunfähigkeitsbescheinigung bekomme. Doch wie wäre es, meine momentanen Probleme in einer Anamnese aufzunehmen und eine aktuelle Akte zu beginnen?

Wie kann es sein, dass ich bei meinem Langzeit-Hausarzt in der Praxis sitze, mit ziemlich starkem Herzrasen, welches eines der Symptome ist, mit denen ich in letzter Zeit zu tun hatte (und was nicht davon kommt, dass ich gerade aufgeregt oder nervös war oder so etwas) und ich nicht einmal eine Chance bekomme, dies zu erwähnen?

…Zu Pilatus

Ich nahm die Überweisung zum Psychiater und begann zu recherchieren. Mein früherer Psychiater ist jetzt im Ruhestand und der Kollege, welcher seine Praxis übernommen hat, ist jemand, von dem ich wegging, als ich zwanzig Jahre alt war, weil er mich unerhört schlecht behandelt hat. Somit war das keine Option. Ich fand eine andere Praxis, die sogar näher bei liegt und wundervoll klang. Die Webseite sprach von dem Wunsch, den Weg zu finden und zu unterstützen, der für den Patienten richtig ist. Zudem hat die Person gleichzeitig eine psychologische Praxis, was in meinem Falle sehr hilfreich ist für das Verstehen meiner Situation, da es weniger eine medizinische sondern vielmehr eine psychologische Angelegenheit ist. Doch soweit ich weiß, können Psychologen bestimmte Bescheinigungen nicht ausstellen, da sie keine Mediziner sind. Das mag sich seit meiner letzten Begegnung damit geändert haben. Doch ich muss mit dem anfangen, was ich weiß, oder?!

Ich bekam einen Termin in der ausgewählten psychiatrischen Praxis. Ich stellte sicher, dass man dort gesetzlich versicherte Patienten annimmt, da wir uns offensichtlich keine private Krankenversicherung leisten können. Ich fragte, ob man vorab den Grund für meinen Termin wissen müsse. Man sagte mir, das wäre nicht nötig. Ich ging hin. Ich trug mein Anliegen vor. Und man sagte mir:

“Ich kenne sie ja nicht, also mache ich das nicht.”

Was ist das bitte für eine Antwort?!? Ich weiß, dass sie mich nicht kennen. Also lernen sie mich kennen. Fangen sie an, ihre Arbeit zu machen!

Ich meine, ich habe nicht erwartet, nach dem ersten Termin mit einer Erwerbsunfähigkeitsbescheinigung aus der Praxis herauszuspazieren. Aber ich habe erwartet, dass man eine Anamnese aufnimmt, eine Akte anlegt und meine Akte aus der Gemeinschaftspraxis meines früheren Psychiaters anfordert. Stattdessen wurde ich abgeschoben. Dafür hat man sich sogar die vollen sieben Minuten Zeit gelassen, die das Gesetz fordert, das muss ich der Praxis lassen.

Ich kann nicht in Worte fassen, was für einer Art von Energie ich in dieser Praxis begegnete. Es klingt von dem, was ich hier geschrieben habe, vielleicht nicht so durch, doch es war schrecklich. Ich glaube, ich wurde tatsächlich in meinem ganzen Leben noch nicht so schlecht behandelt – und mir ist so Einiges an schlechter Behandlung von Menschen untergekommen. Der wirklich schlimme Teil ist, dass man in diesem Falle in der psychiatrischen Praxis meine Situation erkannt hat und sich absolut der Tatsache gewahr war, dass ich Hilfe brauche. Ich konnte das sehen. Kim konnte das auch sehen, da ich ihn zu dem Termin mitgenommen hatte. Aber man hat gewählt, mir diese Hilfe zu verwehren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man dies getan hat, weil ich lediglich gesetzlich krankenversichert bin.

Als ich im Flur der Praxis stand, brach ich zusammen. Ich schluchzte und weinte an Kims Schulter. Ich konnte es einfach nicht mehr zurückhalten. Ich konnte auch nicht geräuschlos schluchzen. Da ich die Stimmen der Praxismitarbeiter hinter der geschlossenen Tür des Sprechzimmers hören konnte, bin ich sehr sicher, dass sie mich auch gehört haben. Sie haben nicht nach mir gesehen. Sie haben mir kein Glas Wasser und kein Taschentuch angeboten. Tatsächlich hat man mir das nicht einmal angeboten, als ich weinend im Sprechzimmer saß.

Wie kann es sein, dass ich nach einem dortigen Termin im Flur einer psychiatrischen Praxis stehe und mich fühle, als sollte ich diese Welt besser verlassen, weil es in ihr ohnehin keinen Platz für mich gibt?

Ich frage mich, wie eine solche Einstellung zum Patienten mit dem hippokratischen Eid zusammengeht, an den jeder Arzt gebunden ist…

Wie Wäre Es Mit Einer Offenen Tür?

In der psychiatrischen Praxis sagte man mir, ich solle meinen Psychologen kontaktieren. Mehrere Jahre lang ging zu einem Psychologen in einer sozialen Kontakt- und Beratungsstelle. Da diese von der Diakonie getragen wird, kann man dort kostenlos hingehen, ohne das eher komplizierte System zu durchlaufen, welches die Krankenversicherung aufstellt, wenn man von dort Geld für psychologische Beratungsgespräche braucht.

Die Sache ist die: Mittlerweile hat mein Psychologe seine eigene Praxis eröffnet und arbeitet nicht mehr im Beratungszentrum. Ich freue mich sehr für ihn, doch könnte es meinen Weg komplizierter machen.

Ich frage mich immer noch, wie er mir helfen kann, wenn ich dort ohne schriftliche Indikation vom Psychiater hingehe. Als ich zuletzt von der Krankenkasse getragene psychologische Behandlungen hatte, brauchte man so etwas.

Engel – Jeder Kann Einer Sein

Ich habe meine Integrationsfachkraft – und zugewiesenen Engel – bei der Arbeitsvermittlung kontaktiert, um über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Und Ich habe angefangen zu weinen. Ich habe alles erzählt. Man hat zugehört, mich getröstet und wieder aufgebaut. Ich glaube nicht, dass dies Teil der Jobbeschreibung einer Integrationsfachkraft ist. Doch bin ich dankbar, dass man für mich da ist. Man gab mir zudem Zeit und beauftragte mich offiziell, gut zu mir selbst zu sein und über die Feiertage meine gesundheitliche Situation zu stabilisieren. Ich bettelte um eine Pause; obwohl es zum Betteln keinen Grund gab, weil mein Arbeitsamt-Engel die Situation verstanden hat.

Ich weiß, dies ist nicht gerade eine fröhliche Geschichte und passt vielleicht nicht zu dem, was die Leute an den Feiertagen hören wollen. Doch es fühlte sich für mich wichtig an, sie zu teilen.

Niemand will solche Geschichten hören. Niemand will solche Geschichten erfahren. Niemand will solche Geschichten teilen.

Aber Tatsache ist, dass sie passieren.

Niemand will in einem schicksalhaften Sturm von Scheiße stehen. Aber manchmal trifft die Scheiße den Ventilator und Du kannst nirgendwo hin.

Wir müssen über derartige Erfahrungen sprechen. Wir müssen uns austauschen und es die Menschen wissen lassen. Wir müssen Interesse aneinander zeigen. Wir müssen unsere Einstellung verändern. Wenn wir versuchen, es totzuschweigen, wird sich nie etwas verändern. Der einzige Tod, zu dem das führt, ist unser eigener.”

-Stefanie Neumann

Dies ist auch einer der Gründe, warum ich drüben auf meinem Blog Kokopelli Bee Free Blog die Kampagne Zusammen Besser (#KBFZusammenBesser) ins Leben gerufen habe. Lasst uns unsere Expertise teilen und einander unterstützen. Jeder ist Experte in etwas. Vielleicht wird es im derzeitigen Arbeitssystem wertgeschätzt, vielleicht auch nicht. Doch ist es definitiv wertvoll für eine gesunde, friedvolle, stützende Gesellschaft.

Ich meine, warum sind wir hier? Was ist der Grund für all dies?

Nun, alle, die jemals Douglas Adams’ Per Anhalter Durch die Galaxis begegnet sind, kennt die Antwort hierauf:

Aber jetzt mal ehrlich: Was ist 42 für Dich? Was bedeutet es für Dich? Was möchtest Du, das es ist?

Alles Liebe,
Steffi

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2 thoughts on “Wenn die Scheiße den Ventilator Trifft

  1. Pingback: Man, Wie Ich Das Licht Genieße! | Kokopelli Bee Free Blog

  2. Pingback: Der Unterschied zwischen Konstruktiver und Destruktiver Kritik – Neu Aufgelegt | Kokopelli Bee Free Blog

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