Eine Unbequeme Wahrheit

An Inconvenient Truth © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

This post is also available in English language.

Heute fällt es mir gar nicht so leicht, diesen Blogbeitrag zu schreiben. Normalerweise schreibe ich gerne ermutigende Artikel, die den Menschen helfen, ihre Stärken zu sehen und welche die Menschen ermächtigen.

Jetzt befinde ich mich in einer Situation, wo ich selbst etwas von meiner eigenen Medizin brauche. Ich nehme diese „Medizin“ auch. Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich überhaupt noch einen Schritt vor den anderen setze. Doch ich fühle mich nicht gerade danach, etwas Ermutigendes zu schreiben.

Deshalb schreibe ich stattdessen darüber, wie es mir gerade geht. Und das ist ehrlich gesagt nicht besonders gut.

Anfang des Monats habe ich auf Kokopelli Bee Free Blog darüber berichtet, dass Kim und ich im Begriff waren, uns auf einen herausfordernden Pfad zu begeben. Und auf diesem Pfad befinden wir uns jetzt. Wir waren beim Jobcenter und haben um Unterstützung gebeten. Wir befinden uns in Mitten von den Terminen und Formularen, welche darauf folgen. Während Kim das alles ganz gut zu verkraften scheint, fällt mir das nicht so leicht. Erneut sehe ich mich mit der Situation konfrontiert, dass es für Menschen wie mich keinen Platz in der Gesellschaft zu geben scheint – oder wenn, dann im untersten Schlamm. Bisher hatten wir soweit sehr hilfreiche Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter und dafür bin ich sehr dankbar. Auf den Formularbergen, die es auszufüllen galt, wurde allerdings schnell sichtbar, dass Menschen wie ich in diesem Land nicht vorgesehen sind.

Ich habe viele Talente und bringe diese liebevoll in die Gesellschaft ein. Doch beim Arbeitsamt weiß das keiner, weil es für diese Talente weder eine Berufsausbildung gibt, noch ein passendes Formular, wo man ein Kreuzchen machen kann.”

-Stefanie Neumann

Ich habe bereits vielen Menschen geholfen. Manchen von ihnen geht es durch meine bloße Anwesenheit besser. Manche von ihnen schätzen meine Hochsensibilität und Empathie, andere schätzen meine Klarheit und Wahrhaftigkeit. Doch dafür gibt es keine offizielle Berufsbezeichnung und daher verdient man damit kein Geld. Dennoch leiste ich meinen Dienst an der Gesellschaft. Das Arbeitslosenhilfesystem jedoch sieht diese Art von Beitrag zum Allgemeinwohl nicht vor. Stattdessen steckt man Menschen in mehr oder weniger sinnlose Maßnahmen, um sie aus der Arbeitslosenstatistik zu holen oder zwingt sie zu Jobs, die sie krank machen. Das geht sicherlich nicht allen Menschen so. Aber manchen schon, und die fallen einfach durchs Netz.

(“Schenken Wir Die Schulden Weg!” von Isabella Ostovary | Experiment Selbsversorgung)

Ich bin eine starke Persönlichkeit. Ich bin gesund. Ich bin nur anders. Wenn ich versuche, mich in das mir nun vorgegebene System einzufügen, werde ich jedoch krank. Das habe ich zuvor erlebt und auch jetzt bemerke ich die ersten Symptome. Ich werde depressiv. Ich fühle mich verwirrt und wertlos. Ich verliere meinen Mut. Ich vergesse, wer ich wahrhaftig bin. Ich werde genau so, wie es für Leute wie mich vorgesehen ist, damit man ihnen schließlich doch noch einen Platz zuweisen kann – vorzugsweise wahrscheinlich in der Irrenanstalt.

Ich erkenne diese Dinge, doch weiß ich nicht, wie viel Kraft ich aufbringen kann, um ihnen entgegenzuwirken.

Um das Maß voll zu machen, spüre ich selbst innerhalb meiner eigenen Familie Urteile. Man sagt mir, ich hätte eine falsche Sicht auf die Dinge, wenn ich bemerke, dass ich nicht mehr kann und um Hilfe bitte. Man sagt mir, ich mache es falsch, weil es für andere unbequem wird, sich um mich zu kümmern wenn ich es brauche. Ich sage nicht, dass ich die erbetene Hilfe nicht bekomme.  Ich bekomme sie.  Und dafür bin ich sehr dankbar.  Ich weiß auch, dass jene Urteile Einladungen sind, um für mich selbst einzustehen und ich tue wirklich mein Bestes. Doch ich bekomme Zweifel, ob das genug ist.

Zum Glück sieht Kim die Situation klar und unterstützt mich, wo er kann. Ich bin sehr dankbar dafür.

Es liegt mir fern, irgendjemanden anzuklagen.  Ich weiß, dass alle ihr Bestes tun.  Das tue ich auch.  Dieser Beitrag beschreibt lediglich die Symptome einer dysfunktionalen Gesellschaft.  Und es macht mich traurig und wütend, dies zu sehen.

Es gibt allerdings einen Silberstreifen.  Wir sind alle ein Teil dieser Gesellschaft und es liegt in unserer Macht, eine zu kreieren, die anmutig Raum bietet für all die Vielfalt, welche auf dieser Erde zu finden ist.

Alles Liebe,
Steffi

“Society”
(originally by Jerry Hannan)
[Deutsche Übersetzung]

It’s a mystery to me
We have a greed with which we have agreed
And you think you have to want more than you need
Until you have it all, you won’t be free
 ♥
Society, you’re a crazy breed
I hope you’re not lonely without me
 ♥
When you want more than you have, you think you need
And when you think more than you want, your thoughts begin to bleed
I think I need to find a bigger place
Cause when you have more than you think, you need more space
 ♥
Society, you’re a crazy breed
I hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
Hope you’re not lonely without me
There’s those thinking more or less, less is more
But if less is more, how you keepin score?
Means for every point you make your level drops
Kinda like you’re startin’ from the top
And you can’t do that
Society, you’re a crazy breed
I hope you’re not lonely without me
Society, crazy indeed
I hope you’re not lonely without me
Society, have mercy on me
I hope you’re not angry if I disagree
Society, you’re crazy indeed
I hope you’re not lonely without me
♥♥♥
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3 thoughts on “Eine Unbequeme Wahrheit

  1. Pingback: Wenn die Scheiße den Ventilator Trifft | Herzensreise - Heart's Journey

  2. Steffi ❤
    ganz ganz ganz viel Liebe, Kraft und geistige Unterstützung wünsche ich dir ❤
    Ganesh soll dich begleiten und dir Helfen alle Hürden zu überwinden, die dir auf deinem eigenen Weg in die quere kommen.

    Schau mal, das hat meine Mutter neulich gefunden: http://heilberater.de . Ich überlege ob ich im März anfange.
    Zum 22. Oktober könnte man auch einsteugen, das geht mir allerdigs zu schnell.
    Ich hatte überlegt ob ich in Richtung Heilpraktiker geh, aber für die Prüfung braucht man einen Schulabschluss und muss 25 sein.
    Für die Heilberater Ausbildung muss man allerdings nur volljährig sein und ne Veranlagung zum spirituellen heilen haben, also so wie wir es haben 🙂
    Ich hoffe das muntert dich ein bisschen auf ❤ mir gibt es jedenfalls ein bisschen Hoffnung, auch wenn ich mir noch nicht sicher bin ob es zu mir gehört 🙂

    Fühl dich liebevoll umarmt ❤
    Filla

    Liked by 1 person

    • Liebe Filla,

      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar mit den kraftvollen Wünschen. ❤ Die nehme ich gerne an und sie muntern mich in der Tat auf!

      Die Ausbildung zum Heilberater klingt nach einer interessanten Alternative zum Heilpraktiker. Ich habe mir eben die Seite angeschaut. Die die Kosten für einen Unterrichtsblock übersteigen zwar das Budget, welches uns nach Abzug der Unterkunftskosten derzeit für zwei Personen pro Monat zur Verfügung steht, doch finde ich es schön, zu wissen, dass es mittlerweile solche Möglichkeiten gibt. 🙂

      Kannst ja bei Gelegenheit mal erzählen, wie Du Dich entschieden hast. ❤

      Alles Liebe – die Umarmung erwiedere ich natürlich gerne,
      Steffi

      Liked by 1 person

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