Wie Wir auf einen Berg Hinaufstiegen und einen Hügel Herunterkamen

Global Life © 2014 Stefanie Neumann

This post is also available in English language.

Vor einer Weile waren wir bei der Ausländerbehörde, um Kims Aufenthaltstitel zu verlängern.

Vor gut einem Jahr haben wir erstmals eine Aufenthaltsgenehmigung für ihn beantragt, welche über die drei Monate eines regulären Visums hinausgeht.  In diesem Beitrag habt Ihr einen kleinen Blick auf den Administrationsberg bekommen, den wir zu erklimmen hatten.  Um den einjährigen Aufenthaltstitel für Kim zu erwirken, hatten wir noch einige Herausforderungen zu bestehen.  Die Auskünfte, welche wir vom Amt erhielten waren oft unvollständig, widersprüchlich oder schlicht falsch.  Man hat sich geweigert, uns Termine für unsere Vorsprechen zu geben, so dass Kim im Winter um 3:00 Uhr morgens vor geschlossener Türe anstehen musste, um sicher zu gehen, für den Tag auch eine Nummer zum Vorsprechen zu bekommen.  Manchmal trafen wir aber auch sehr freundliche und hilfreiche Menschen dort, die ihre Arbeit und die Menschen, die zu ihnen kommen ernst nehmen.  Das hat uns immer wieder Mut gemacht.

Für dieses Mal hatten wir uns vorgenommen, dass es für uns leichter geht.  Wir haben ein wunderschönes Jahr miteinander verbracht.  Wir sind noch mehr zusammengewachsen.  Unsere Liebe für uns selbst und füreinander ist noch mehr gewachsen.  Wir sind kontinuierlich unserem Herzenskompass gefolgt und haben erfahren dürfen, wie viel leichter alles geht, wenn wir dies tun und einfach das beste für uns erlauben.  Der größte Teil der Arbeit besteht im Grunde darin, die Programme von Angst und alter Energie vorüberziehen zu lassen, ohne ihnen Nahrung zu geben – und sich stattdessen immer wieder daran zu erinnern, wo das Herz einen wirklich hinführt.

Diese Arbeit haben wir getan.  Immer und immer wieder.  Und wir tun sie noch.  Zusätzlich haben wir, sobald wir den Hochzeitstermin in Dänemark hatten, die Ausländerbehörde per E-Mail kontaktiert um ihnen die Neuigkeit mitzuteilen und zu erfragen, wie daraufhin unser nächster Schritt aussieht, um Kims Aufenthaltstitel zu verlängern.  Die Antwort unserer E-Mail-Kontaktperson war kurz:

“Sie müssen mit dem Trauschein und ihrer Ehefrau bei uns vorsprechen.”

Nun gut.  Trauschein mitbringen und zusammen vorsprechen.  Wird gemacht.

Gleich nach der Hochzeit, als wir aus Dänemark zurückkamen, hat Kim der Ausländerbehörde noch einmal gemailt und um einen Termin für den 12.12.2013 gebeten.  Zwar wurde die Bitte um einen Termin bisher immer abgeschmettert, doch haben wir uns dieses Mal innerlich einfach nur für das beste Potenzial geöffnet.  Und siehe da:  wir bekamen einen Termin, gleich um 8:00 Uhr morgens.  Die E-Mail enthielt Angaben zu Uhrzeit und teilte uns den Raum mit, in dem wir vorsprechen sollten.  Zudem wurden wir darauf hingewiesen, dass Steffi als Ehefrau mit vorsprechen müsse.  Gebongt!

Wir kamen auf die Minute pünktlich beim Amt an trafen eine sehr nette Sachbearbeiterin, die selbst gerade geheiratet hat, wie wir später erfuhren.

Sie fragte uns als erstes, ob wir denn schon den Antrag auf Verlängerung ausgefüllt haben.  –  Hä, was?  Welchen Antrag?  Das hatte uns der Herr, mit dem wir die E-Mail-Korrespondenz hatten ja gar nicht mitgeteilt.  Naja, war nicht so schlimm, es ist ein relativ kurzes Formular, welches in deutscher, englischer und französischer Sprache verfasst ist.  Das ließ sich also schnell nachholen.  Den Trauschein und unsere Ausweise hatten wir ja ohnehin dabei.

Zusätzlich durften wir noch getrennt einen Fragebogen zu unserer ehelichen Gemeinschaft ausfüllen.  Man will eben sichergehen, dass alles in Ordnung ist, und die Ehe von beiden freiwillig und aus Liebe eingegangen wurde.  Da der Fragebogen auf Deutsch ist, durfte ich Kim sogar mit der Übersetzung der Fragen helfen – was sicher nicht selbstverständlich ist, da man ja sichergehen will, dass jeder die Fragen selbst und ohne Beeinflussung beantwortet.

Dann wollte die Dame beim Amt wissen, wie weit Kim mit seinem Deutschkurs ist und ob er das Zertifikat für seinen bestandenen B1 Test dabei hätte.  – Das Zertifikat muss man persönlich in der Sprachenschule abholen – und die ist quasi am anderen Ende der Stadt.  Da bei uns so viel Anstand, hatten wir die Abholung noch nicht vorgenommen.  Hätten wir gewusst, dass wir es für die Verlängerung von Kims Aufenthaltstitel brauchen, hätten wir dies natürlich vor dem Termin bei der Ausländerbehörde erledigt.  Hat man uns aber leider nicht gesagt.

Zur Erklärung:  Das Bestehen des B1-Tests vom Integrationskurs (das ist der Kurs, den Kim belegt hat, um Deutsch zu lernen) besagt, dass man die Grundlagen der deutschen Umgangssprache beherrscht.  Hat man diesen Test noch nicht bestanden, wird der Aufenthaltstitel bei Heirat nur um 18 Monate verlängert mit der Auflage, den entsprechenden Kurs zu absolvieren.  Hat man aber das B1-Zertifikat, wird der Aufenthaltstitel problemlos auf drei Jahre verlängert.  Einzige Voraussetzung für die kontinuierliche Gültigkeit dieses Titels ist lediglich, dass unsere Ehe bestehen bleibt.  Und natürlich, dass Kim sich ans Gesetz hält.  – Das ist immer die Voraussetzung für einen Aufenthaltstitel.

Wir einigten uns darauf, dass die freundliche Sachbearbeiterin alles für uns vorbereitet und wir das B1-Zertifikat schnellstmöglich nachreichen, so dass sie dann den Antrag ans Ministerium für Ausländerangelegenheiten nach Berlin schicken kann.

Abschließend fragte sie dann noch nach einem biometrischen Passfoto…  –  Wie, man braucht noch Mal eines?  Das hatte man uns auch nicht gesagt.  Hätten wir sonst ebenfalls mit Freuden vorab erledigt.

Schließlich entschieden Kim und ich, dass wir gleich im Anschluss an den Termin in der Ausländerbehörde Hamburg Altona zu Kims Schule nach Wandsbek fahren, um das B1-Zertifikat zu holen und auf dem Rückweg ein Fotostudio zu suchen, um das erforderliche Passbild zu erstellen.  Ich entschuldigte mich mehrmals bei unserer Sachbearbeiterin und erklärte, dass wir extra vorher eine E-Mail geschrieben hatten, um zu erfragen, was wir für die Verlängerung des Titels brauchen.  Sie hatte großes Verständnis für die Situation und gestattete uns, am gleichen Tag ohne Termin noch einmal anzuklopfen, um die fehlenden Unterlagen nachzureichen, sobald wir sie zusammen hätten.

Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wandsbek verlief dann auch reibungslos.  Ich konnte so endlich mal Kims Schule sehen und die Leiterin kennenlernen, mit der ich ehemals so oft telefoniert hatte.  In der Nähe der Schule gibt es ein Einkaufszentrum, wo wir auch ein Fotostudio fanden, um Kims Passbilder zu machen.  Die Fotografin war sehr nett und ermutigte Steffi sogar auf ihrem eigenen Weg in die Fotografie.  Das war ein schöner Bonus.

Wieder bei der Ausländerbehörde in Altona angekommen, ging es dann ganz schnell.  Unsere freundliche Sachbearbeiterin schnitt das Passfoto aus (die Behörden schneiden sich das Bild immer gerne selbst zurecht), fertigte eine Kopie von Kims B1-Zertifikat an und stellte den vorläufigen Aufenthaltstitel aus.  Dieser ist drei Monate gültig und diente als Übergang, bis Kim in etwa vier Wochen seinen ordentlichen dreijährigen Aufenthaltstitel bekommen würde.  Darüber würde er dann in einem Brief aus Berlin informiert.  Mit diesem Brief geht man in Hamburg Altona an einem Mittwochvormittag zur Ausländerbehörde, um den Titel abzuholen.  Mit einer entsprechenden Vollmacht kann das auch eine andere Vertrauensperson machen.  Den Pass des Antragstellers und die alten Aufenthaltstitel des Antragstellers muss man mitbringen.  –  Ich schreibe das hier so ausführlich, weil es vielleicht anderen hilft, die diesen Prozess noch durchlaufen.

Oh, abschließend durften wir noch 110,- Euro für den neuen Aufenthaltstitel bezahlen.  Diesen Hinweis hatte der Herr, mit dem wir vorab die E-Mail-Korrespondenz führten, ebenfalls unterschlagen.

Eine in Dänemark geschlossene Ehe muss aufgrund des Deutsch-Dänischen Beglaubigungsabkommens auch ohne Nachbeurkundung im deutschen Eheregister anerkannt werden.  Manche Leute wissen das auch bei der Behörde nicht auf Anhieb und ich habe diesbezüglich schon von Problemen gehört.  Unsere Sachbearbeiterin wusste offenbar Bescheid und alles ging ganz leicht.

Die deutschen Behörden dürfen eine Legalisierung des Trauscheins verlangen – eine sogenannte Apostille, welche man laut meiner Auskünfte über das dänische Außenministerium beziehen kann.  So eine Apostille kann verlangt werden, muss aber nicht.  Unsere Sachbearbeiterin hat unseren Weg der Leichtigkeit unterstützt und keine weiteren Zeit- und Geldaufwendigen Prozedere verlangt.

Zudem erfuhren wir von der sehr freundlichen Sachbearbeiterin, die Kims aktuellen Antrag mit uns ausfüllte, dass man auch bei der Ausländerbehörde in Altona durchaus Termine bekommen kann, sofern man sie mit etwa zwei Wochen Vorlauf anmeldet.  Vielen Dank!  Das ist gut zu wissen.

Nach den angekündigten vier Wochen bekam Kim seinen Brief aus Berlin mit der Information, dass sein elektronischer Aufenthaltstitel (eAT) jetzt an die Behörde in Hamburg versendet wurde.  Dass ein Dokument vom Absender versendet ist, heißt noch nicht, dass es bereits den Empfänger erreicht hat, noch, dass es von Selbigem bereits bearbeitet wurde.  Also schrieben wir eine weitere E-Mail an die Ausländerbehörde.  Es brauchte tatsächlich noch mal drei Wochen und zwei weitere E-Mails bevor wir eine schroffe Antwort von unserem E-Mail-Ansprechpartner bekamen.  Offensichtlich mochte man es nicht, dass wir für uns selbst eingestanden sind und kein Geheimnis aus dem unzuverlässigen Informationsverhalten machten, welches uns zuvor begegnet war.  –  Was soll‘s!

Während wir letztes Mal einen steilen Berg bestiegen haben, um Kims Aufenthaltstitel zu erwirken, fanden wir uns dieses Mal doch eher auf einem Hügel wieder.  Zwar immer noch etwas beschwerlich zu erreichen, doch dafür mit einer wundervollen Aussicht.

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